Die evangelische Kirche in Breidenstein

Mit dem Bau der heutigen Kirche wurde im Jahr 1956, als Pfarrvikar Karl Seffer hier wirkte, begonnen. Während der Bauzeit war Dieter Trautwein, der aus Holzhausen am Hünstein stammte, Pfarrvikar in Breidenstein (Oktober 1956 bis November 1958). Später wurde er zum Probst von Frankfurt berufen. Viele von ihm getextete und komponierte Lieder stehen heute im evangelischen Gesangbuch.

 

Während Helmut Spengler von November 1958 bis April 1964 Pfarrervikar in Breidenstein war, wurde das inzwischen fertiggestellte Gemeindezentrum, bestehend aus Gemeindehaus und Pfarrhaus, von Probst Herbert aus Herborn am 10. Oktober 1959 eingeweiht. 1.000 Gäste waren an dem Festgottesdienst beteiligt; auch der damalige Kirchenpräsident Niemöller war an diesem Festtag zugegen. Von 1985 bis 1993 war Helmut Spengler Kirchenpräsident der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN).

Was zu diesem Zeitpunkt fehlte, war ein Glockenturm, der nun einmal zu einer Kirche gehört.

Im Juli 1964 wurde Klaus Koch zum Pfarrvikar der evangelischen Kirche in Breidenstein berufen.

 

Im Mai 1965 wurde die Stadt Breidenstein mit den Gemeinden Wolzhausen und Quotshausen zur selbstständigen Pfarrei erhoben und schied damit aus dem Kirchspiel Breidenbach aus, dem Breidenstein seit der Reformation angehört hatte.

 

Klaus Koch wurde der erste Pfarrer der neuen Kirchengemeinde Breidenstein. 1997 trat er in den Ruhestand ein. Zwischenzeitlich war er auch Dekan des Dekanats Biedenkopf.

 

Innerhalb seiner Amtszeit wurde unter anderem mit Mitteln aus dem Erlös der ehemaligen Kapelle, die im Jahre 1592 erstmals urkundlich erwähnt wurde, und zahlreichen Spenden Breidensteiner Bürgerinnen und Bürger der separat stehende Glockenturm gebaut.

 

Klaus Koch berichtete, dass die vier Glocken im Juli 1967 gegossen wurden. Der Turmbau selbst war auch nach heutigen Gesichtspunkten eine "Stressbaustelle". Mit dem Bau des Glockenturms wurde erst im März 1968 begonnen. Bis drei Wochen vor der Einweihung gab es lediglich eine Baugrube.

 

Zwei Wochen vor der Einweihung konnte das Betonfundament gegossen werden. Am Montag vor der Einweihung wurden innerhalb von zwei Tagen die vorgefertigten Betonteile montiert, in der zweiten Wochenhälfte wurden die Glocken angebracht.


Einen Tag vor der Einweihung fand das Probeläuten statt. Zu diesem Zeitpunkt glaubte niemand mehr, dass der Einweihungsgottesdienst fristgerecht stattfinden würde, aber Probst Zöllner konnte dann doch wie geplant am 07.04.1968 die Glocken und den Kirchturm ihrer Bestimmung übergeben.

Der Glockenturm sollte ursprünglich viel höher als die dann genehmigten 6,8 Meter sein. Aber die Kirchenverwaltung in Darmstadt gab hierzu keine Genehmigung, sie empfand ihn als viel zu hoch. Unsere Kirchengemeinde beugte sich schließlich dem Darmstädter Schiedsspruch und der Turm wurde wesentlich kleiner. Es folgte ein lauter Protest der zahlreichen Spender in Breidenstein, denn das Geläut war nun kaum im Ort zu hören – selbst wenn mit allen vier Glocken geläutet wurde und wird. Das ist bis heute so geblieben. Erst am 10.11.1995 wurde dem Turm noch ein spitzgiebeliges Dach von etwa vier Meter Höhe aufgesetzt, in dem dann auch die Glocken angeordnet wurden.

 

 

Quellen: Pfarrchronik Breidenstein, Stadtchronik Breidenstein, Fotoarchiv der KG Breidenstein

 

Stand 15.08.2021